Was sind und wie kommen Leerverkäufe an der Börse zustande?

Frage von Jo Lee: Was sind und wie kommen Leerverkäufe an der Börse zustande?

Warum kauft jemand Wertpapiere von jemanden, der sie gar net besitzt?

Und wenn sich der eine durch den Verkauf Gewinn verspricht, warum kauft dann der andere, der dann ja wohl keinen Gewinn erwirtschaftet?
Eine FRAGE habe ich noch: Werden die AKtien bei einem Leerverkauf tatsächlich aus der Hand gegeben? Es könnte ja sein, dass der Käufer die Aktien wieder weiter verkauft und dann womöglich die Aktien zum fälligen Zeitpunkt nicht zurückgeben kann. Was passiert wohl dann?

Beste Antwort:

Answer by Arminius 56
Leerverkauf / Leerverkäufe
(auch Blankoverkauf)

Unter Leerverkauf versteht man den Verkauf eines Wertpapiers, welches der Verkäufer zum Verkaufszeitpunkt (noch) gar nicht besitzt.

Er muß sich dafür das Wertpapier von einem institutionellen Anleger leihen, wofür eine entsprechende Leihgebühr zu entrichten ist.

Verkauf von Wertpapieren (Waren) an der Börse (Warenbörse), ohne daß sie sich im Besitz des Verkäufers befinden. Der Verkäufer tätigt ein derartiges Geschäft in der Erwartung, daß die Kurse zum Erfüllungstermin ein niedrigeres Niveau haben, da er sich dann zu einem niedrigeren Einstandskurs eindecken kann.

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6 comments

  1. tom035m sagt:

    Ein Beispiel:

    Ich biete dir an, dir in einer Woche 5 kg Bananen zu einem Preis von EUR 1,00 pro kg zu verkjaufen.

    Wenn nun in einer Woche die Bananen nur mehr EUR 0,50 pro kg kosten, musst du sie mir trotzdem um EUR 1,00 pro kg abkaufen. Ich als Verkäufer habe sie aber um EUR 0,50 pro kg gekauft, also verdiene ich insgesamt 5 x EUR 0,50, also EUR 2,50.

    Wenn ich bis zum vereinbarten Zeitpunkt aber nur Banananen um EUR 2,00 pro kg bekomme, dann habe ich Pech und einen Verlust von EUR 5,00, Ich habe ja versprochen, sie dir um EUR 1,00 pro kg zu verkaufen. Dumm gelaufen für mich…

    Und genau das selbe passiert an den US-Börsen, nur dass die dort (meist) nicht mit Bananen sondern mit Aktien handeln…

  2. Kai R sagt:

    wenn man weiss, dass eine Aktie an der Börse gehandelt wird, dann kann man sie ja zu jeder Zeit kaufen. Also ist es auch kein Problem, etwas zu verkaufen, was man noch gar nicht hat.

    Im Übrigen ist es ja kein Verkauf, nur die Verpflichtung zu einem Verkauf.

    Am Anfang versprechen sich natürlich beide einen Gewinn davon, der eine, weil er meint, dass die Kurse steigen, der andere setzt auf fallende Kurse. Natürlich kann am Ende nur einer gewinnen.

    Allerdings haben Leerverkäufe auch einen wirtschaftlichen Sinn. Sie geben z.B. dem Käufer die Sicherheit, dass er zu einem bestimmten Aktien zu einem bestimmten Kurs auch kaufen kann. Wenn er bereit ist, soviel zu bezahlen, kann es ihm dann auch egal sein ob der Kurs am Stichtag höher oder niedriger ist. So hat sich zum Beispiel Porsche an VW oder Schaeffler an Continental herangeschlichen.

  3. Kai F sagt:

    Der Leerverkäufer leiht (!!!) sich die Aktien von einem Leihgeber, der die Aktien tatsächlich besitzt. Das heisst, der Leerverkäufer entnimmt die Aktien aus dem Depot des Verleihers und verkauft diese sofort zum Marktpreis. Dafür verspricht er dem Verleiher eine Leihgebühr und dass er die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückgibt. Das setzt natürlich voraus, dass der Leerverkäufer die entnommenen Aktien zu diesem späteren Zeitpunkt wieder am Markt zurückkauft.

    Die Spekulation des Leerverkäufers ist es nun, dass zu dem Zeitpunkt, da er die Position zurückkaufen will oder muss, der Kurs der geliehenen Aktie gefallen ist. Beispiel: ich leihe mir heute eine Aktie, die €100 wert ist und verkaufe sie sofort an der Börse. Nach einem Monat ist der Kurs der Aktie auf €90 gefallen. Nun kaufe ich sie zurück und gebe sie dem Verleiher wieder. Damit habe ich €10 abzüglich Leihgebühr Gewinn gemacht.

    Der Verleiher hat übrigens auch etwas davon, denn er vereinnahmt ja die Leihgebühr. Im besten Fall fällt die Aktie gar nicht (der Leerverkäufer verspekuliert sich), dann verdient er auch an einer Aktie, die vielleicht gar nicht gestiegen ist. Im schlechtesten Fall (die Aktie fällt tatsächlich wie im Beispiel oben) vermindert sich sein Verlust um die Leihgebühr.

    @Kai R: Was Du meinst, sind Optionsgeschäfte – das ist so ähnlich, aber nicht dasselbe! Bei einem klassischen Leerverkauf steht der Tag der Rückgabe der geliehenen Aktien nicht fest. Zwar kommt Zeitabhängig u.U. weitere Leihgebühr dazu, aber bei einem Leerverkauf gibt es keinen Zeitwertverlust wie bei Optionen.

  4. funship sagt:

    Zu deiner zweiten Zusatzfrage:
    Wenn beim Rennen nur der Erste einen Preis gewinnt, warum rennen die anderen dann überhaupt mit? ;-)

    Im Ernst: beide Seiten werden sich von dem Geschäft wohl einen Gewinn versprechen. Meist wird am Ende einer der Verlierer sein, aber es gibt im Geschäftsleben durchaus Situationen, in denen beide Seiten von einem solchen Handel profitieren.

  5. ramsjoen sagt:

    Das sind eine ganze Menge Fragen.

    Was sind Leerverkäufe und wie kommen sie zustande?

    Bei einem Leerverkauf verkauft man Aktien, die man gar nicht besitzt. Dazu muss man die Aktien von jemanden entleihen (Stichwort Repo). Man hinterlegt beim Verleiher eine Sicherheit, bekommt dessen Aktien, verkauft sie, und muss sie irgendwann zurück geben.

    Warum kauft jemand Wertpapiere von jemanden, der sie gar net besitzt?

    Man beachte den Unterschied zwischen dem Eigentümer einer Sache und dem Besitzer. Der Verkäufer ist zwar nicht Eigentümer der entliehenen Wertpapiere, sehr wohl aber (im Moment) Besitzer. Der Käufer bekommt daher tatsächlich die Aktien, die er kauft. Es ist nich Problem des Käufers, wie der Verkäufer seine entliehenen Aktien später zurück geben kann.

    Und wenn sich der eine durch den Verkauf Gewinn verspricht, warum kauft dann der andere, der dann ja wohl keinen Gewinn erwirtschaftet?

    So funktioniert die Börse und das Leben. Lassen wir mal den Leerverkauf beiseite und sehen uns das normale Börsengeschehen an. Glaubt jemand, der Aktien hat, dass er keinen höheren Gewinn durch Kurssteigerungen mehr erzielen kann, dann bietet er seine Aktien zum Verkauf an. Ein Käufer wird nur zugreifen, wenn er glaubt, dass die Aktien weiter steigen. Käufer und Verkäufer glauben ganz einfach an eine unterschiedliche Entwicklung der Aktien.

    Kostolany, ein alter von einigen Jahren verstorbener Börsianer, meinte einmal: Wenn es mehr Idioten als Aktien gibt, dann steigen die Kurse. Wenn es mehr Aktien als Idioten gibt, dann fallen die Kurse. – So gesehen bin ich immer ein Idiot, wenn ich eine Aktie kaufe.

    Noch ein paar generelle Aussagen:

    Ein normaler Käufer kauft eine Aktie, sagen wir mal für 100.-. Er hofft, dass die Aktie steigt, und wenn sie es tut, sagen wir mal auf 140.- und er sie dann verkauft, dann macht er 40.- Gewinn.

    Ein Leerverkäufer leiht sich eine Aktie, verkauft sie z.B. für 100.- an der Börse. Fällt die Aktie z.B. auf 70.-, dann kauft er sie zurück, gibt sie an den Verleiher zurück und hat 30.- Gewinn gemacht.

    Gerate bei Leerverkäufern kann der Schuss nach hinten losgehen. Gehen viele Leute short (d.h. sie setzen auf fallende Kurse) und gibt es viele Leerverkäufer, dann kommt irgendwann der Tag, an dem sie die Aktien zurück geben müssen. Damit sie die Aktien wieder zurückgeben können, müssen sie sie an der Börse kaufen – letztendlich zu jedem Preis. Und wird eine Aktie kräftig gekauft, steigt der Kurs. Manchmal spricht man davon, dass die Leerverkäufer “gejagt” werden. D.h. dadurch, dass sie sich eindecken müssen, treiben sie die Kurse zu ihren Ungunsten nach oben.

  6. leuchtfalter sagt:

    Man muss noch dazu erwähnen, dass derjenige (in der Regel eine Bank) der die Aktien ausleiht, diese sowieso mit einem langfristigen Horizont hält. Diesen interessiert es nicht, wenn die Aktien mal zwischendurch im Kurs fallen und später dafür wieder mal steigen. Darum ist es für diesen auch kein Problem, die Aktien für eine begrenzte Zeit zu verleihen.

    Darum macht der Ausleiher keinen Verlust, wenn er die Aktien ausleiht, sondern streicht die Verleihgebühr ein.

    Ich tätige üblicherweise keine Leerverkäufe (liegt mir nicht), aber einmal habe ich das mal auf andere Weise hinbekommen. Und weil die Frage lautet wie Leerverkäufe zustande kommen, will ich das hier kurz schildern. Ich habe Aktien verkauft, die ich besaß. Nach Aufgabe der Order und Weiterleitung an die Börse ist der Computer der Bank abgestürzt, aber die Order war im Backup der Bank gespeichert. Während der Computer der Bank ausgefallen war wurde der Verkauf an der Börse durchgeführt. Als der Computer der Bank wieder gestartet wurde und das Backup mit der zur Ausführung gespeicherten Order eingespielt war, wurde die Verkaufsorder noch einmal an die Börse übermittelt und meine Wertpapiere ein zweites Mal verkauft, obgleich ich sie beim zweiten Mal gar nicht mehr hatte.

    Das sah dann so aus, dass ich ein Minuszeichen vor meinem Aktienbestand hatte und zweimal die Verkaufsgebühren bezahlen musste. Damals hatte ich erst mit Aktien angefangen und wusste noch nicht, was Leerverkäufe sind. Entsprechend war ich verdutzt über das Minuszeichen. Mit der Bank telefoniert – “Jo, da haben Sie es geschafft leer zu verkaufen.” grinste der Mitarbeiter.

    Der Bankmitarbeiter empfahl mir, nun einfach die Stückzahl wieder am Markt zu kaufen, “dann stimmt es wieder”. Hab ich gemacht und mich gefreut, weil zwischenzeitlich der Kurs gefallen war. Somit hatte ich durch den Computerabsturz 20 Euro verdient. Da hab ich auch nicht über die Bank gemeckert.

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